Vorurteile

Vorurteile – keiner will sie, doch jeder kriegt sie

Vorurteile – eins von den Dingen auf dieser Welt, die die Menschen lieber geben als nehmen.

Bin ich der Nächste?

Wenn Menschen über andere schnell urteilen, meist über Abwesende, kann das sogar gesundheitliche Folgen haben.

Durch Vorurteile erkämpfen sich viele Urteiler den Platz im Mittelpunkt. Diese würden aber nicht im Mittelpunkt stehen, wenn der Betroffene sich dazu äußern würde und sich wehrt. Ich bin überzeugt davon, dass Vorurteile fast nur über Abwesende ausgeübt werden.

Menschen die Abwesende verurteilen laden dazu ein, Vorurteile gegen sich selbst zu bilden. Denn über andere zu urteilen, die nicht anwesend sind, ist je nach Schwere schon herabsetzend und bietet dem Betroffenen keine Möglichkeit sich zu äußern. Die Gründe hierfür sind so eindeutig wie sie aufeinander aufbauen. Zum einen kann es sein, dass dieses Vorurteil gar nicht gerechtfertigt ist. Zum anderen könnte derjenige, der das Urteil spricht , nicht im Mittelpunkt stehen, denn der Betroffene würde darauf in welcher Art auch immer reagieren.

Denn wie einst Paul Watzlawick bereits erkannte: Man kann nicht nicht kommunizieren.

Was Freizeitrichter oftmals auf dem wackeligen Weg der Vorurteile zum Mittelpunkt der Gesellschaft nicht berücksichtigen, sind ihre Zuhörer. Nicht immer klappt es, dass alle Zuhörer seiner Meinung sind. Dadurch können wieder neue Vorurteile entstehen: „Wie redet er wohl über mich, wenn ich nicht anwesend bin. Bin ich der Nächste?“

Kampf oder Flucht

Ich glaube, dass viele Menschen zu schnell urteilen, wenn sie sich bedroht fühlen. Bedroht von dem Gespräch über jemanden, über den gut gesprochen und gelobt wird, mit dem man selber Konflikte hat. Man hat das Gefühl, nicht zu hören wie gut der Andere ist, sondern wie schlecht man selber ist. Dadurch fühlt man sich ausgeschlossen. Da es aber eine eigene Empfindung ist, kann diese oftmals falsch ausfallen. Das ermutigt dann zur Reaktion: Kampf oder Flucht. Der (negative) Kampftyp geht gegen und verurteilt, wenn auch unberechtigterweise, um seine Position in der Gesellschaft zu bewahren und zu stärken. Der Fluchttyp hingegen kann eher emotional darauf reagieren und zieht sich zurück.

Erfährt man als Verurteiler direkt oder – wie es meistens ist – über Umwege, regt diese Situation ebenfalls zum Handeln an. Auch hier wird der Kampftyp gegen gehen, ob mit den gleichen Mitteln oder mit dem direkten Gespräch für eine Stellungnahme. Der Fluchttyp hat es hier deutlich schwerer. Je nach Häufigkeit und Schwere der Vorurteile, die ihm gegenüber ausgeübt werden und dann über Umwege überbracht werden, kann das Folgen auf die Psyche haben und schleichend die Belastbarkeit eines Menschen reduzieren. Dadurch können Ängste gegenüber der Gesellschaft entstehen. Vom Gefühl der Verletzung bis zu Depressionen kann alles auftreten.

Und trotzdem gehören Vorurteile dazu

Schon unsere Vorfahren hatten berechtigterweise Vorurteile. Denn der große Säbelzahntiger der gerade vor ihnen stand, sah exakt aus wie der von gestern und der hat auch solche Laute von sich gegen. Vorurteile haben damals Leben gerettet, denn sie dienten dazu bei der Verarbeitung der Informationen Energie zu sparen. Dadurch konnten sich unsere Vorfahren schneller in diese Situation einordnen. Es blieb mehr Zeit für andere Denkprozesse und umso schneller konnten sie sich auf diese Gefahr einstellen. Den Säbelzahntiger erneut zu begegnen, bedeutete für das Gehirn alle Informationen hervorzurufen, die über diese Kreatur in der Vergangenheit an Erfahrungen gesammelt wurden.

Vorurteile sind also eine Verallgemeinerung unserer früheren Erfahrungen, übertragen auf die Neuen.

Keine Vorurteile – Ist das überhaupt möglich?

Ein klares Nein. Wir alle haben Vorurteile. Sie werden uns schon als Kinder von unseren Eltern in die Wiege gelegt. Es reichen Ereignisse, auf die wir im späteren Leben treffen, die nur ansatzweise den früheren Erfahrungen ähneln. Wir erinnern uns zurück und haben Vorurteile. Ob wir der Person oder der Situation damit unrecht tun, ist zweitrangig. Vorurteile können positiv oder negativ sein. Man sollte grundsätzlich erst einmal erkennen, dass es ein Vorurteil ist oder war.

Deshalb ist es wichtiger vorurteilsbewusst zu sein statt vorurteilsfrei, was nicht möglich ist.

Wie heutzutage mit Vorurteilen umgegangen wird

Dass wir heutzutage keinen Säbelzahntiger mehr begegnen ist so wahrscheinlich, wie die Erkenntnis daraus, dass wir vorschnelle Vorurteile nicht mehr fällen brauchen. Aus meinen Erfahrungen geht hervor, dass Vorurteile die man nicht einmal selbst erzeugt und ausgesprochen hat, noch viel schlimmer sind. Vorurteile die nur übernommen werden und bei einer möglichen Gegenüberstellung mit dem Satz „Das hab ich so gehört“ versucht werden zu besänftigen stehen bei mir an zweiter Stelle. Die schlimmsten Vorurteile sind nämlich die die man selbst in die Welt setzt, aber dann behauptet sie nur gehört zu haben.

Das mag auch ein Vorurteil sein, aber dessen bin ich mir bewusst.

Vorurteile bilden oder übernehmen wir täglich durch Medien, Zuhören und Verallgemeinerungen der Außenwelt und unserer Gesellschaft. Um unseren Gemütszustand zu verbessern, greifen wir zu voreiligen Vorurteilen oft trotz mangelnder Informationen. Wir hinterfragen uns nicht wieso jemand auf diese Weise reagiert, etwas sagt oder sein Verhalten uns nicht zusagt. Jeder verbindet sein eigenes Verhalten, welches er sein lebenslang kennt und sich damit wohlfühlt, als normal. Alles, was von dieser Erkenntnis abweicht, fällt aus dem Muster. Ab hier können Neid, Nichtgönnen oder sogar Hass und Wut entstehen.

Dadurch wird unser Urinstinkt der Gefahr wieder hervorgerufen und wir werden dazu angeregt etwas dagegen zu unternehmen, ohne vorher darüber nachgedacht zu haben. Nicht umsonst hört man von vielen, die sich später ihrer Fehler bewusst waren und mit Gewissensbissen zu kämpfen hatten, bei einer Stellungnahme zu einem Vorurteil: „Es tut mir leid, ich habe einfach nicht nachgedacht.“ – Das sind die wenigsten, die dann aber auch fair sind und sich bewusst damit auseinandergesetzt haben.

Bei anderen, etwa den (negativen) Kampftypen, würde eine Stellungnahme eher zu einer Eskalation führen oder sie konvertieren zum Fluchttyp und behaupten, sie hätten das nur gehört.

Erfahrungen gehören dazu.

Auch ich habe in meiner Laufbahn schon voreilige, positive, negative und nicht gerechtfertigte Vorurteile gefällt, sowohl über Abwesende als auch direkt bei Anwesenden. Manchmal sogar über geglaubte Abwesende, die dann anwesend waren. Ich habe daraus meine Erfahrungen machen dürfen. Sowohl gute als auch nützliche. Wie das Leben so ist, gibt es auch immer einen Gegenspieler. Nicht begründet auf meinen Vorurteilen und viel später in meinem Leben wurde auch ich oft verurteilt. Direkt, indirekt, unfair, aber auch konstruktiv mit Sinn. Daraus lernt man vieles und ich sage dir, Letzteres hinterlässt Spuren. Spuren die zu Veränderungen führen, wenn du gelernt hast damit umzugehen.

Auch mit unfairen Vorurteilen muss man lernen umzugehen.

Bumerang – wirfst du ihn gut, kommt er zurück – garantiert!

Eine Zeit lang habe ich mich mit Vorurteilen beschäftigen müssen, die mir immer nur Dritte überbrachten. Vorurteile, die sehr verletzend und auf keine Basis der Wahrheit entsprachen. Ich erkannte hier sofort Interessenskonflikte, Neid, Nicht-Gönnen und Hass. Meine Vermutungen bestätigten sich von Zeit zu Zeit.

Ich habe irgendwann mal für mich entschieden, dass es keine Lösung ist, sich auf das gleiche Niveau zu begeben. Es gibt Ausnahmen.

Ich sorgte ebenfalls durch Vorurteile gegenüber den Menschen die mich verurteilten dafür, dass diese sie genauso indirekt und über Dritte erreichten wie mich (ich warf den Bumerang).

Bei meinen Vorurteilen gab es allerdings einen ausschlaggebenden Unterschied. Sie beruhten auf Tatsachen. Ich wusste genau mit welchen Themen ich diese Menschen, die mich ohnehin nicht respektierten, dazu bringen würde sich auf dem Weg zu mir zu machen. (Der Bumerang kam zurück).

Befreit von jeglichen Schuldgefühlen kamen sie zu mir (teilweise nicht einmal alleine), um mich vor Publikum bloß stellen zu wollen. Was dann geschah, war eine Wohltat für mein Ego und fütterte mein Selbstbewusstsein immer mehr.

Wenn man einen Bumerang werfen kann heißt das nicht automatisch, dass man ihn wieder fängt. Wirft man ihn zu stark könnte es sein, dass wir uns selbst schaden; wirft man ihn zu schwach, lacht man uns womöglich in dieser Welt der Vorurteile aus.

Auch hier gilt also: Übung macht den Meister.

„Wenn es keinen anderen Weg gibt!“

Kopfrontation – die Entscheidung dich zu entscheiden

Konflikte sollte man immer mit den Betroffenen direkt lösen. Sie sollten nicht genutzt werden, um sich in der Gesellschaft einen Rang zu verdienen. Wenn ihr Pech habt, dann ist euer Gegenüber ein guter Bumerangwerfer und ihr habt es nicht mal bemerkt.

Versucht bewusst eure Vorurteile wahrzunehmen und denkt darüber nach, ob ihr damit nicht Unrecht tut. Für Gedanken kann uns keiner bestrafen oder verurteilen. Für Worte schon.

Wenn jeder seine Ellenbogen mal einfahren würde und seinem Nächsten Gutes wünscht, braucht er selbst keine Vorurteile zu befürchten. Daraus schließen wir, dass Vorurteile nichts anders als ein Teufelskreis sind.

Wie denkst du über dieses Thema?

Hast du damit schon Erfahrungen gemacht?

Wie fühlt es sich an, Gewissensbisse für Vorurteile andere gegenüber zu haben?

Wie fühlt es sich an, von Vorurteilen über dich erfahren zu haben?

Glaubst du daran, dass wenige in der Lage wären, etwas zu verändern?

 

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